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Abgerissener Buchsenbund an der Zylinderlaufbuchse

Beschreibung

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Abb. 1
  • Abgerissener Buchsenbund.
  • Buchsenbundriss, verläuft vom Grund der Buchsenbundunterkante nach oben im Winkel von ca. 30°.

Beurteilung

Ursache sind Biegemomente, die bei mangelhafter Montage entstehen (Schmutz- und Formfehler). Meistens wird der Buchsenbund der Zylinderlaufbuchse schon beim Anziehen des Zylinderkopfs abgedrückt. Bei den neuen Motoren - generationen für Nutzkraftfahrzeuge mit Pumpe-Düse oder Common-Rail Einspritzsystem wird der Motorblock aufgrund der höheren Verbrennungsdrücke zunehmend belastet. Da bei diesen Motortypen sehr harte Stahl-Zylinderkopfdichtung verwendet werden, kann sich das Kurbelgehäuse nach einer längeren Laufleistung an der Buchsenbundauflage verziehen.
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Abb. 2
HINWEIS
Eine Verformung der Buchsenbundauflagefläche ist optisch ohne Hilfsmittel nicht zu erkennen. Mit Lagertusche lässt sich der Verzug leicht prüfen: Tusche hauchdünn auf die Auflagefläche des Buchsenbundes am Motorblock auftragen. Danach die neue Buchse ohne Dichtungen einsetzen und auf den Sitz drücken. Dann die Zylinderlaufbuchse wieder herausnehmen. Die Auflagefläche an der Zylinderlaufbuchse sollte nun am ganzen Umfang gleichmäßig mit Tusche bedeckt sein. Wenn dies nicht der Fall ist, muss der Buchsensitz nachgearbeitet werden: Am besten auf einem stationären Bohrwerk oder mit einem mobilen Buchsenbundsitz-Plandrehgerät. Dies garantiert die Planparallelität zur Gehäuseoberfläche (Abb. 2).

Mögliche Ursachen

  • Verschlissene Buchsenbundauflage am Motor nach längerer Laufzeit.
  • Verschmutzte oder korrodierte Buchsenbundauflage.
  • Keine Rechtwinkligkeit und/oder Planheit der Bundauflage (Abb. 2 und Abb. 5).
  • Falsche Zylinderkopfdichtung.
  • Missachtung der vom Motorenhersteller vorgeschriebenen Anzugsdrehmomente und Drehwinkel bei der Montage des Zylinderkopfs.
  • Falsche Anzahl an Dichtringen.
  • Unter dem Buchsenbund eingeklemmte Dichtringe.
  • Verwendung von Dichtungen mit falschen Abmessungen.
  • Verwendung von flüssigen Dichtmitteln.
  • Bei trockenen Pressfit-Zylinderlaufbuchsen: Einbaufehler durch zu hohen Einpressdruck.
  • Vorgeschriebener Buchsenüberstand nicht eingehalten (Abb. 6):
    • Bei einem zu großen Überstand der Zylinderlaufbuchse wird der Buchsenbund beim Festziehen der Zylinderkopfschrauben abgedrückt.
    • Bei einem zu kleinem Überstand wird die Zylinderlaufbuchse nicht stark genug auf den Buchsensitz gepresst und gerät durch die Kolbenbewegung ins Pendeln. Diese Krafteinwirkungen führen zum Buchsenbundabriss.
  • Missachtung der korrekten Form bei der Nacharbeit des Buchsensitzes. Die Formgebung des Buchsensitzes muss der Formgebung der Zylinderlaufbuchse entsprechen. Der Übergang der Bundfläche zum Passsitzdurchmesser muss mit einer Fase von 0,5–1,0 mm × 45° versehen sein. Somit sitzt die Hohlkehle des Buchsenbundes an der Kante nicht auf. Bei Nichtbeachtung kann der Buchsenbund beim Festziehen des Zylinderkopfs sehr leicht abgedrückt werden (Abb. 3). Außerdem darf der Ausrundungsradius am Buchsensitz („D“ in Abb. 4) nicht zu groß sein, damit die Zylinderlaufbuchse am Buchsenbund nicht an der Außen- oder Innenkante trägt.
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Abb. 3
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Abb. 4
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Abb. 5
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Abb. 6
HINWEIS
Bei einer Nachbearbeitung der Buchsenbundauflage während einer Motoreninstandsetzung muss der nötige Überstand der Zylinderlaufbuchse zur Zylinderoberfläche sichergestellt sein: Entweder durch Unterlegen von Ausgleichscheiben aus Stahl oder durch Zylinderlaufbuchsen mit Bundübermaß* (wird empfohlen).